Love was in the air – Zweites Semifinale beim Eurovision Song Contest

Ein Abend der großen Gefühle. Männer in weißen Anzügen. Pulsierende LED-Wände. Zwillinge. Männer mit Zwergenmützen. Noch mehr Zwillinge. Ausdruckstanz und Sauflieder. Wer sich alleine vor dem Empfangsgerät eingefunden hatte, kuschelte und schunkelte sich mit befreundeten Sitzmöbeln und Wohnaccessoires durch die Nacht. Der ESC-Gewinner 2011 aus Dänemark steht bereits fest. Gesegnet, wer in Kopenhagen ein Dauergästebett sein Eigen nennt. Selbst wenn es die Dänen nicht ins Finale geschafft hätten, wäre ihnen der Sieg nicht mehr zu nehmen gewesen. Aber das nur am Rande …

Auf "Diva" folgt "Ding Dong" - Dana International hat es nicht ins Finale geschafft. (c) EBU

Auf "Diva" folgt "Ding Dong" - Dana International hat es nicht ins Finale geschafft. (c) EBU

Vor dem Schnelldurchlauf schon einmal das Ergebnis (wer gleich noch weiterlesen möchte, hält sich an dieser Stelle rasch die Augen zu). Im Finale sind: Estland, Rumänien, Moldau, Irland, Bosnien-Herzegowina, Dänemark, Österreich, Urkaine, Slowenien, Schweden

Und so war das zweite Semifinale bestückt:

Dino Merlin, eine Legende in Bosnien-Herzegowina (d.h. der älteste Teilnehmer des ESC 2011), könnte bei seinem Lied „Love in Rewind“ sein eigenes Gekasper, das seiner Mitstreiter und den Funkenregen noch reduzieren. Man kann aber auch einfach wegsehen. Ein Titel, zu dem man sich in deutschen Großraumbüros zukünftig an den Händen halten wird. Alle Menschen werden Brüder, Dinos Lied singen und sich dabei spontan auf Straßen und Plätzen in die Arme fallen. Finale.

Nadine Beiler aus Österreich hatte schöne Schuhe an und war auch sehr gut frisiert. Könnt Ihr Euch dann in Ruhe am Samstag eine eigene Meinung dazu bilden. Die Niederlande haben 3JS mit „Never Alone“. Schief aber lieb und raus. Acapella aus Belgien: Witloof Bay mit „With Love Baby“.  Nicht schief, trotzdem schlimm. Ist das Kunst, oder kann das weg, liebe Musikfreunde? Selbst der Schnelldurchlauf ist zu lang. Bleibt uns am Samstag erspart. Man muss auch mal Glück haben.

Eine Windmaschine macht noch keine Finalteilnahme: Schade um die TWiiNS aus der Slowakei. Während Mika Newton „Angel“ für die Ukraine singt, bearbeitet im Hintergrund eine Frau einen Zen-Garten. Das überzeugt irgendjemand und reicht für’s Finale. Es folgen Männer und eine Frau aus Moldau mit Zwergenmützen. Zdob ?i Zdub singen „So Lucky“. Zu dieser Musik wird in den kommenden Monaten um Newsdesks gesprungen werden. Trinkt, schweigt und tanzt!

Eric Saade mit „Popular“ für Schweden. Gebt uns den Mann mit den Lichtschuhen zurück. Es wird am Samstag zum direkten Vergleich der Mädchenschwarmgiganten kommen. Und dann: Eine große Liebesklage aus Zypern. Die ersten Zuschauern dürften beim Versuch des Männerchores, eine gemeinsame Tonlage zu finden, geweint haben. Christos Mylordos mit „San Aggelos S’Agapisa“. Männer, die sich in Schmerzen winden, dabei mit den Armen fuchteln und eine Frau, die eine Kugel (?) an einer Schnur über dem Kopf kreisen lässt. Sagenhaft. Werden wir im Finale schmerzlich vermissen.

Wenn Kind II sich die Arme mit Kugelschreiber anmalt sieht das so aus wie bei Poli Genova, die für Bulgarien „Na Inat“ sang. Nur einen Abend lang. Jetzt bleibt viel Zeit, um alles wieder abzuwaschen. Bevor Vlatko Ilievski aus der Die F.Y.R. Macedonia singt, schielt Heidi im Leipziger Zoo. Was der Mann beim Vortrag seines Liedes „Rusinka“ mit der Gitarre macht, bleibt unklar.  Ihr denkt, das seht Ihr nicht wieder? Aber nein …

Nach 1998 zum zweiten Mal dabei: Dana International für Israel. Ding Dong. Das Kleid von Gaultier. Toll. Raus. Anastacia heißt jetzt Maja Keuc und singt für Slowenien „No One“. Bomben Eisenkleid. Natürlich weiter (es wurde übrigens weniger geschrien bei diesem zweiten Semifinale). Außerdem, Chronistenpflicht: Hotel FM, Rumänien, „Change“. Beide im Finale. „Ich werd bekloppt“, werdet Ihr jetzt anmerken, und Ihr habt Recht.

Es folgte bunter Glitzerklimbim aus Estland. Bescheuerte Bühnenshow. Euro-Electro-Schrott-Pop. Damit ist Getter Jaani mit „Rockefeller Street“ ein absoluter Favorit und natürlich weiter.

Tipp-Topp: „I Love Belarus“ von Anastasiya Vinnikova für … (Ihr kommt drauf …). Und während Ihr noch heiteres Länderraten spielt, sprangen schon Männer mit lustigen Fliegen auf der Bühne herum. Nicht jedermanns Sache, wenn sie nicht Alfred Biolek oder Karl Lauterbach heißen. Musiqq aus Litauen ficht das bei der Wahl ihrer Bühnengarderobe aber nicht an. Hätte es aber. Für Musiqq gab es leider kein Bild.

Den Titel der dänischen Gruppe „A Friend In London“ hätten wir gar nicht hören müssen, um zu wissen, dass so Sieger klingen. Die Frisur des Sängers könnte noch optimiert werden. Kleinigkeit. „New Tomorrow“ – lernt schon mal den Text auswendig.

Dann fehlten nur noch zwei. Jedward mit „Lipstick“. Welchen Platz haben wir mit „Alex swings Oscar sings“ belegt? Irland schickt die letzten Zwillinge des Abends ins Rennen. Sie werden wieder kommen. Ich auch. Bis dahin: Kopf hoch, tanzen …

Einige Gedanken zu “Love was in the air – Zweites Semifinale beim Eurovision Song Contest

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