Stille Nacht …

Wie der Zufall es manchmal so will, sind mir nachts im Traum zwei Engel erschienen. Sie hielten sich an den Händen und sahen aus wie die Zwillinge in Stanley Kubricks „Shining“. Wie es ihre Art ist, haben sie mit ihren Schwingen geschlagen, den Fernseher, den Computer und meinen Glücks-Schulp vom Tisch gefegt und dabei „die wirst du bald nicht mehr brauchen“ geflüstert. In diesem Moment brach am Fußende meines Bettes, über die gesamte Breite des Raumes, die Wand auf und ein Schein wie von tausend Flutlichtanlagen sorgte für stimmungsvolle Beleuchtung. Dazu sangen Florian Silbereisen, Justin Bieber und die himmlischen Heerscharen „Still, still, still, still weil’s Kindlein schlafen will“. An meinem Kopf rauschte der Coca-Cola-Weihnachtstruck vorbei.

Die Boten des Herrn waren gekommen, um mir große Freude zu verkünden. Hätten sie mit mir doch jemanden aufgetan, der Weihnachten mit offenem Herzen gegenüber stünde. Daher sei die Entscheidung gefallen, den Weihnachtsmarkt der Stadt, schlagengleich einmal um das gesamte Haus des Zweitwohnsitzes zu legen und rund um die Uhr an allen sieben Wochentagen geöffnet zu halten. Außerdem sei genau jetzt der richtige Zeitpunkt mit ihnen gemeinsam zu singen, so wie ich es ab sofort und bis in alle Ewigkeit als Krippenfigur verkleidet auf der Bühne des Weihnachtsmarktes tun würde – in diesem Moment fuhr erneut der Weihnachtstruck durchs Zimmer und Chevy Chase begann mit dem Schmücken der Außenfassade.

Weiterhin wurde mit mitgeteilt, dass ihr direkter Vorgesetzter mal wieder, dabei rollten sie mit den Augen, eine kleine Wette abgeschlossen hätte und nur, weil das schon einmal schief gegangen wäre, solle ich mir absolut keine Sorgen machen. Von Ewigkeit zu Ewigkeit wäre im Grunde gar nicht so lange. Glühwein und Lumumba würden für mich in Strömen fließen. Marzipanstollen und Waffeln mit Schlagsahne und heißen Zimt-Sauerkischen seien von Stund an mein täglich Brot…

In diesem Moment gab es einen lauten Knall. Der Weihnachtstruck flog durch die Luft, mit ihm die Engel, Herr Silbereisen und Teile der Fischer-Chöre, die zur Unterstützung der himmlischen Heerscharen herbeigeeilt waren. Die Wand schloss sich und eine einzelne weiße Feder landete lautlos auf meinem Kissen. Als ich am Morgen das Haus verließ, war der Weihnachtsmarktring ums Haus bereits geschlossen …

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