Finstere Zeiten für alle!

Der gemeine Trockennasenprimat ist von Natur aus ein lichtscheues Wesen. Seiner Ganzkörperbehaarung beraubt und aus der Höhle vertrieben, sucht er instinktiv Schutz vor direktem Lichteinfall. Verhaltensstörungen, hervorgerufen durch jahrtausendelange Selbstdomestizierung zum pflegeleichten sich selbst reinigenden Nutz- und Heimtier, führen insbesondere im Sommer zu einer speziellen Form der Massenentblößung in der freien Natur. Die offensichtliche Einschränkung der Lebensqualität und Selbstintoxikation durch karzinogene Strahlung wird dabei nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern in der Regel freiwillig und kostenintensiv herbeigeführt. Tatsächlich handelt es sich bei dieser Form der öffentlichen Massenröstung um den stummen Hilfeschrei einer gequälten Kreatur. Maßgeblich unterstützt wird diese Form der Autoaggression durch eine fortgesetzte, nicht artgerechte Unterbringung am Arbeitsplatz.

Der Mensch hockt oft stundenlang hängenden Kopfes mit halbgeschlossenen Augen resigniert auf seinen Hinterbeinen im sogenannten „Hundesitz“ auf einem ergonomisch geformten Bürostuhl oder Sitzball und starrt apathisch in einen Computerbildschirm. Er hat seine aussichtslose Situation erkannt und trauert. Schon einfachste Maßnahmen können hier für Abhilfe und Linderung sorgen …

Licht aus!

Die maximale Ausleuchtung von Schreibtischen mit 100.000 Lux und mehr ist nur im Falle hobbychirurgischer Einsätze  lebenswichtig. Sonst nicht. Da in der Regel das Aufschneiden und Zusammenflicken von Kollegen am Arbeitsplatz von Vorgesetzen nicht gerne gesehen wird und die dabei entstehenden Aufwände, inklusive Reinigung des Schnittplatzes, nicht auf die Arbeitszeit angerechnet werden dürfen, wird diese Form des Networkings und Socializens nur noch wenig gepflegt.

Die faltenfreundliche Ausleuchtung durch den heruntergedimmten Computerbildschirm schmeichelt den meisten Erwerbstätigen sowieso mehr als Festbeleuchtung. Insbesondere im Großraumbüro sind Flutlichtfanatiker dazu anzuhalten, mittels Stirnlampe ihren raumgreifenden Illuminationszwang auf eine Ein-Mann-Lichtsäule zu konzentrieren. Sollte es hierbei zu Spannungen im Team kommen, können für eine befristete Übergangszeit Betriebssonnenbrillen an lichtscheue Mitarbeiter ausgegeben werden. Wahlweise sollte das Beziehen eines Aktenschrankes ermöglicht werden. Das Tragen von „Hier leuchtet nur einer“-, „Es werde Licht“- oder „Dir werde ich heimleuchten“-Shirts ist grundsätzlich zu unterbinden.

In diesem Sinne: Es werde Nacht!

Einige Gedanken zu “Finstere Zeiten für alle!

  1. Pingback: Geschichten aus dem Hinterstübchen » Berlinale 2012 – Die 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin im Netz

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