Driving Home for Christmas

Mal wieder den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehn. Macht nix. Weihnachten läuft von alleine. Glühwein-Frühstück mit Schuss ohne Sättigungsbeilage genossen. Waschbär-Mütze aufgesetzt. Tiger-Puschen an den Füßen. Kaninchenfell-Fäustlinge eingepackt und ab nach Hause. Der Braten steht seit dem Morgengrauen auf dem Herd. Bis zu meiner Ankunft sind alle Kerzen von Hand gezogen und Mutter zur Behandlung kleinerer Brandverletzungen in der Notaufnahme.

In der Bahn und vor Gott sind wir alle gleich. Mit 348 anderen Tiermützen-Trägern im Großraumwagen Lieder gesungen. Kleine Eisbär-Stiefel und Katzenschals kann nicht jeder tragen. Ab Kilometer 85 nur noch Schrittgeschwindigkeit. Im Bordbistro gibt es Freischnaps mit weihnachtlichen Gewürzen. Das freundliche Servicepersonal nimmt ab 11.23 Uhr Trauungen an willigen Paaren vor. In neun Monaten werden Kinder geboren, die auf die Namen Deichgraf, Karwendel, Werdenfelser Land oder Skandinavia-Night-Express hören.

Der Zugchef hat, passend zum Fest, zu Gott gefunden. „Jesus lebt nicht mehr“, eröffnete er das Kartenkontroll-Gespräch, „und Loriot ist ja leider auch schon tot.“ Bei der Rückgabe des Tickets spricht er für jeden von uns einen Weihnachtssegen. Ab Kilometer 371 liegt Laub auf den Schienen. Alle männlichen Mitreisenden werden gebeten, beim Fegen zu helfen. Die Frauen schieben.

Die letzten Kilometer gemeinsam mit vielen neuen Freunden zu Fuß gegangen. Tiger-Puschen-Hersteller macht endlich eure Sohlen dicker! Wer braucht schon Südsee, wenn er Schneematsch haben kann? Jesus konnte übers Wasser gehen. Wissen wir, ob er nasse Füße hatte?

… für Daniela

 

Anmerkung: Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen sind rein zufällig. Teile der befreundeten Verwandtschaft tragen niemals Katzen um den Hals.

Und weiter geht’s: Alle Jahre wieder werden wir am Ende eines Jahres von Weihnachten überrascht. Um die Vorfreude auf Kind, Krippe und Geschenke ins schier Unermessliche zu steigern, werden hier Träume wahr. Ihr spendiert fünf Begriffe in einem Kommentar unterhalb dieses Beitrags, und ich bastele daraus einen rauschgoldengelhaften Blog-Text inkl. Widmung zur Vorweihnachtszeit. Die streng subjektive Auswahl der jeweiligen Begriffs-Serie wird von mir persönlich vorgenommen. Der Rechtsweg ist absolut ausgeschlossen.

6 Gedanken zu “Driving Home for Christmas

  1. poor dog

    Wenn ich mich nicht irre, heißt dieses Blatt „Leipziger Volkszeitung“. Was soll deshalb die Überschrift „Driving Home for Christmas“? Ich glaube kaum, dass weder das Leipziger noch das aus dem Westen importierte „Volk“ die englische Sprache mühelos beherrscht. Übrigens habe ich gerade deshalb mein Pseudonym so gewählt!

  2. Daniela

    @ poor dog:

    Vielleicht hilft zur Entspannung ein Glühwein – hot dog statt armer Hund!??!

    Ich für meinen Teil neige demutsvoll mein Haupt und Knie vor Juliette, die es schafft, in den letzten, hektischen Tagen mit kleinen, feinen Zeilen meinen Tag zu verschönern!

    Danke an die Edel-Feder,
    Daniela

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