Der letzte Fußgänger

Wurde an dieser Stelle vergangene Woche noch offensiv die These vertreten, dass der Mensch ein mangelhafter Elch sei, muss heute betont werden: Was auf Euch zutrifft, gilt für mich noch lange nicht. Wäre dem nämlich so, ich würde von morgens bis abends im Schnee tollen und auf dem Weg zur Arbeit kleine Haken schlagen. Mein schlichtes Gemüt hingegen vermag bei „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ keine Freude empfinden, aber singt Ihr ruhig weiter Eure Lieder!

Natürlich könnte man versuchen, eine ganze Jahreszeit mit Missachtung zu strafen. Was aber, wenn sie sich mit kindischer Penetranz ständig selbst wieder ins Gedächtnis ruft? In Form von Regen, Schnee und überfrierender Nässe ihren Unrat über uns auskübelt. Wie kann man ein derartig widerliches Naturell besitzen und dann auch noch meinen, man müsse sich ständig selbst in den Mittelpunkt spielen? Oho, guckt mal, ich kann es schneien lassen und ui, dann auch noch Sturm und Eis und gefühlte – 75° C.  Ich bin der Winter, was sagt ihr dazu!? Wenn jeder Menschenfeind Frau Holle spielen würde, einfach so, weil er es kann, es wäre Eiszeit! Für immer!

Der Fußgänger mag bei schwierigen Witterungsverhältnissen scheinbar im Vorteil sein, muss er doch weder mit gestörten Weichen und schneeverwehten Gleisen kämpfen, noch Winterreifen anlegen. Aber merke: Der Mensch geht im Winter so lange aus dem Haus bis Oberschenkelhals und Hüfte brechen. Wer an seinen Knochen hängt, dem ist es unbenommen, auf allen Vieren ins Büro oder über Weihnachtsmärkte zu kriechen. So lange sich diese Art der Fortbewegung nicht durchgesetzt hat, bedarf es eines gefestigten Charakters, sich auf diese Weise belebten Straßen und Plätzen zu nähern.

Auch wollene Leibwäsche, daunengefütterte Schneeanzüge und Kaninchenfell-Moonboots können nicht über die Schlechtigkeit der Witterung hinwegtäuschen. Selig die geistig Armen, die den Satz: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung, zu ihrem Mantra erhoben haben. Was muss alles schief gelaufen sein, um der Indoktrination der Outdoorbekleidungslobby derart bedingungslos zu huldigen?

Aber es gibt auch Hoffnung und Trost. In der alten Volksweise “Ich möchte ein Teichmolch sein im kalten Polar“ finden wir verborgen des Rätsels Lösung. Gemeinsam fallen wir nun (und ich würde vorschlagen sofort damit anzufangen), in eine Kältestarre. In diesem Sinne uns allen einen gute Nacht und ein herzliches müde, müde sind die Glieder, kommet ihr im Frühjahr wieder!

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