Schrei, wenn du kannst

Menschen über 30 kennen das drängende Problem, die Frage der Altersvorsorge möglichst rasch und komfortabel zu lösen, um den Lebensabend in mediterranem Klima mit spätestens 40 beginnen zu können. Wer sich nicht auf einen Lottogewinn verlassen möchte, ist gut beraten, an alternativen Konzepten zu arbeiten.

Aus diesen und weiteren Gründen werde ich in den kommenden Monaten ein lange gehegtes Herzensprojekt zur Marktreife bringen: Die mobile, schallisolierte Gummizelle für Großraumbüros, öffentliche Verkehrsmittel und innerstädtische Wohnanlage mit musikalischen Mietern.

Frieden und Harmonie werden in Amtsstuben einziehen. Mit einem sanften Lächeln werden Menschen diesen Ort der Selbsterkenntnis und des hemmungslosen Ausagierens nach fünfminütigem Schreien und Anrennen gegen die Wände wieder verlassen. Kein unwürdiges heimliches Kompensations-Rauchen mehr in öffentlichen Bedürfnisanstalten. Vorbei die Zeit unmäßigen Süßwarenkonsums zur Reduktion angestauter negativer Emotionen. Anrufer werden mit den Worten: „Die Kollegin ist gerade nicht am Platz, die schreit gerade“, vertröstet werden. Und es wird gut sein.

Vergesst gewaltfreie Kommunikation, ab sofort wird gebrüllt was die Lungen hergeben. Es will ganz doll raus aus dir und: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein. Den Verhaltensauffälligen gehört die Welt doch heute schon, jetzt können alle zivilisationsdegenerierten Dulder und Sozialverhaltensoptimierten endlich wieder frei sein. Keine langen Wartezeiten mehr bei Psychologen und Gastroenterologen. Burnout und Magengeschwüre waren gestern. Nur keine Hemmungen und macht kaputt, was euch kaputt macht.

Und während ihr zum gemeinsamen Kuscheln in die Kantinen und Konferenzräume dieser Welt geht, werde ich ein Bad in einer Wanne angefüllt mit güldenen Talern nehmen. Freut euch jetzt schon!

Einige Gedanken zu “Schrei, wenn du kannst

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