Er schreit ein ganzes Turnier lang

Wenn der Sommer sich langsam in der Stadt ausbreitet und ein großes öffentliches Fußball-Turnier stattfindet, das Gastronomen dazu veranlasst, Fernsehgeräte von der Größe mehrerer Bettlaken auf die Straße zu zerren, kommt er heraus – der Schreier. Wo er die dunkle Jahreszeit verbracht hat: unklar. Ob sein Rufen in einer 150 m² Wohnung oder in einer mit Alufolie abgeklebten und mit Eierkartons ausgeschlagenen Stube verhallte, wer weiß das schon!? Vielleicht schwieg er auch 11 Monate, um die Stimme zu schonen. Vielleicht rezitiert er den Rest des Jahres säuselnd spätmittelalterliche Liebeslyrik.

Das Spiel hat noch nicht begonnen, nicht einmal die Vorberichterstattung am Badestrand, er ist da und schreit sich warm und wenn der letzte Ball gespielt, Fahnen geschwenkt und das letzte Bier getrunken, dann geht er auf den Marktplatz und schreit weiter. Er schreit die ganze Nacht. Erst, wenn der Morgen graut, beruhigt er sich ein wenig.

Am Tage wird geruht, bis zum nächsten Spiel.

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