Die Jedi-Krieger des Internets – Klein-Ode auf Community-Manager

re:publica 2010, an Tag zwei der Konferenz über soziale Medien wurden unter anderem Fallstricke und einmalige Chancen des Community-Managements sowie die Frage „Was am Internet in Deutschland wirklich hassenswert ist“ verhandelt. Ein Schelm, wer da nicht einen Zusammenhang herstellen möchte.

Donnerstag, liebe Freunde, immer noch re:publica und immer noch 2010. Der elektrische Strom ist gut und reichlich, das Wlan schwach. Und auch wenn der Kulturraum Internet ausreichend Öffentlichkeit und Liebe für alle bereit hält, gibt es sie doch, die dunkle Seite des Netzes. Es soll sogar Menschen geben die gar kein Licht in all dem Elend zu sehen vermögen. Aber es gibt auch Würmer, die menschliche Nasen besiedeln, wer wollte da noch behaupten, die Welt sei gut?

Wer den Glauben an Selbstregulation, Vernunft, konstruktiven Diskurs, jede Form von menschlicher Intelligenz und Gruppendynamik verloren hat und dessen zur Kommunikation einladende Internetseite die eines Ein-Mann-Betriebes übersteigt, wird sich nach professionellen Fachkräften umsehen, die Nutzern und Betreibern eine hilfreiche Hand reichen. Zeit für eine Klein-Ode auf einen Grubenarbeiter des Netzes – den Community-Manager.

Neben all den Kleinodien in den Kommentaren, Foren und Blogs, die sich blütengleich im Wind wiegen und das Herz des Community-Managers täglich aufs neue erfreuen, ziehen auch kleine finstre Wolken am Horizont auf. Mutig und furchtlos wirft er sich den peitschenden Wogen des aufbrandenden Schmutzes, der ihm ins Gesicht schlägt, entgegen. Und ist es nicht der Bodensatz Nutzer generierten Contents, durch den er sich wühlt, dann muss er sich von all den gesperrten und zensierten aufrechten Verteidigern der Meinungsfreiheit beschimpfen lassen. Ruhm und Ehre ist auf diesem Feld kaum zu erringen.

Täglich fährt er ein, in das Herz der Finsternis. Alles haben seine Augen schon gesehn. Kein seelischer, politischer oder moralischer Sumpf ist ihm fremd. Weiße und voll Liebe navigiert er sich und sein Schiff durch die Untiefen, der ihm anvertrauten Seiten.

Er betreut seelisch Versehrte und Paare, die ihren Scheidungskrieg in Foren und Artikelkommentaren austragen, mit der gleichen Demut und Güte, wie Pressesprecher kleiner oder mittlerer Sprengel, die den ihnen anvertrauten Stadtoberen in Misskredit gebracht sehen. Er bleibt auch dann noch ruhig, wenn er minutenlang am Telefon wegen eines entfernten Kommentars oder gesperrten Nutzerzugangs angebrüllt wird. Er wird den psychosozialen Dienst informieren, wenn er das Fortleben eines Nutzers in Gefahr sieht. Er hat feste Ansprechpartner bei der Polizei und er kennt die Nummer des Hausjuristen auswendig. Er spendet Trost bei Wahlniederlagen und niemals wird er Umsicht, Güte oder Geduld verlieren.

Droht er doch einmal die Fassung zu verlieren, zieht er sich in den eigens für ihn eingerichteten schallisolierten Raum im Keller seines Unternehmens zurück. Hier ist er Mensch, hier darf er’s sein. Gleich einem Chirurgen erkennt und entfernt der Community-Manager das wuchernde Geschwür, um Platz zu machen für das Gute und Heilung herbei zu führen. Schneidet er daneben oder zuviel, kann es  in dem ihm anvertrauten Netz  zu monatelangen Ausfallerscheinungen oder gar irreversiblen Schäden kommen. Am Ende eines langen Arbeitstages wird er mit Gold aufgewogen wohl wissend, das Geld nicht alles ist.

Liebe und Licht uns allen und mögen wir von parasitärem Befall auf immer verschont bleiben.

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