Alles muss raus

Der Herbst – Zeit die Ernte einzubringen, den Zugvögeln „Lebe wohl“ zu sagen, dem goldenen Laub beim Fallen und den Nebeln beim Steigen zuzusehen. Es wird kalt und dunkel, und die Menschen werden krank. Eine erste Welle grippaler Infekte rafft ganze Büroetagen dahin, und das Rasseln in der Lunge wird bis zum kommenden Frühjahr nicht weniger werden. Wer sich bis jetzt nicht vor seinen Mitmenschen geekelt hat, wird nun den Misanthropen in sich entdecken. Dem Steigen und Fallen in der Natur möchte der Mensch sich nicht verweigern – Zeit, sich mal wieder so richtig schön zu übergeben …

Ob wir es Kotzen, Speien oder Erbrechen nennen, wenn der Mageninhalt schwallartig entgegen der natürlichen Richtung durch die Speiseröhre und den Mund den Körper wieder verlässt, ist das Ergebnis an Ekligkeit immer gleich. Unterschiede sind am Ende in Ausführung, Haltung, Intensität, Dauer und Masse auszumachen. Während der eine nur den Hals streckt, krampft beim anderen der ganze Körper mit. Reizauslösend können dabei allgemeine Erschöpfung, ein beginnender hochfiebriger Infekt, verdorbene Lebensmittel, eine passende Virusinfektion oder der Anblick von geronnener Milch sein.

In jungen Jahren erfolgt diese Form der Entäußerung in der Regel unkontrolliert, gerne in eisigen Winternächten in das frisch überzogene Bett und über langes wallendes Haar. Das, ob der Kälte mit den Zähnen klappernde Kind ist dann zügig in Sanitärräume zu verbringen. Auch das Erbrochene des eigenen Kindes riecht nicht nach Veilchen, dennoch ist der eigene Würgereflex bei einer kurzen und intensiven Reinigung unbedingt unter Kontrolle zu halten. Auch die mit den Jahren zunehmende Körperbeherrschung schützt den routiniertesten Kotzer nicht davor, zur Unzeit d.h. außerhalb der Reichweite geeigneter Behältnisse erbrechen zu müssen. Das macht aber nix, wischen müssen in der Regel die anderen.

Bei einem Befall mit Humanen Noroviren, vermehrt im Herbst und Frühjahr, ist zu beachten, dass eine Ansteckung nicht nur durch Schmierinfektion, sondern auch beim Einatmen des beim Erbrechen entstehenden Aerosols möglich ist. Die Wahrscheinlichkeit, sich beim Entfernen einer üppigen Nudelmahlzeit aus alten Studienordnern in der untersten Reihe eines Regals nicht anzustecken, ist äußerst gering. Der Eimer kann dann von einem Familienmitglied zum nächsten einfach weitergereicht werden.

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