Schlaf mein Kindlein, schlafe ein

Im Traum, wie so oft, barfuss im Schlafanzug das Haus verlassen.  Schlüssel und Monatskarte vergessen, trotzdem aber rechtzeitig die Veranstaltung „Darmkeime im Wandel der Jahreszeiten“ in der Turnhalle meiner ehemaligen Schule erreicht. Zur Begrüßung wurde kaltes Gurkensüppchen mit Mettklößchen gereicht. An der Bar floss die Rohmilch bereits in Strömen. Talentierte Laienmediziner hatten im Geräteraum einige Intensivbetten aufgebaut.

An drei Wänden der Halle die Siegerbeiträge des Video-Installations-Wettbewerbs „Mein Helicobacter“. Für die musikalische Untermalung sorgte das Unterstufenorchester mit Frühwerken von Karlheinz Stockhausen auf Kamm und Säge. Es folgte die Ankündigung eines Impulsvortrages in französischer Sprache über „Zeitgemäße Händehygiene oder Wie ich lernte das Noro zu lieben“. Mein ehemaliger Kinderarzt klatschte verzückt in die Hände und sprang dabei mehrfach in die Luft. Er sei nur wegen mir hier.

Versucht in die Werkräume in der oberen Etage zu entkommen. Mehrfach gestürzt. In der Eingangshalle hing mittlerweile ein Plakat mit einem unvorteilhaften Foto von mir und dem Satz: „Flucht ist auch für dich keine Lösung“ und „Wir wollen dich versagen sehn“.

Von der Bühne aus der Blick in 50.000 erwartungsvolle Gesichter. Der Schlafanzug saß weiterhin tadellos. Nach 15 Minuten flogen die ersten Tomaten, nach 28 Minuten folgten Gurken und Salatköpfe aus Norddeutschland und Spanien. Dazu „Aufessen! Aufessen! Aufessen!“-Sprechchöre. Ordner in lavendelfarbenen Eurythmiekleidern waren mittlerweile nicht mehr zu sehen.

Sprossenwand und Strickleiter für einen letzten Ausbruchsversuch genutzt und erfolgreich aufs Dach geflüchtet. Nach Hause geflogen. Beim nächsten Mal wären Schuhe gut.

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